Wir erinnern uns an unseren „Bachelor-Helden“ aus der letzten Geschichte – den Mann, der für den Kopierer zu studiert ist. Man sollte meinen, dass jemand, der seine akademischen Weihen so vor sich herträgt, wenigstens im natürlichen Habitat eines Controllers glänzen kann: in einer Excel-Tabelle. Doch wie ich feststellen durfte, ist der Unterschied zwischen „einen Abschluss haben“ und „einfache Listen vergleichen“ manchmal so groß wie die Distanz zwischen Erde und Mond.
Das Schlachtfeld: Unsere Software-Lizenzen. Die Fronten: Die IT (wir) behauptete, wir hätten 500 Lizenzen im Spiel. Unser Controller, bewaffnet mit dem Selbstvertrauen eines Mannes, der „Akademiker“ auf seiner Visitenkarte stehen hat, hielt dagegen. Seine heilige Berechnung ergab: Wir verbrauchen nur 450.
Er hatte – nach eigener Aussage – Wochen damit verbracht, Personallisten zu wälzen und akribisch zu vergleichen. Er ließ seine Zahlen prüfen, er blieb hart: „Die IT liegt falsch. Meine Liste ist das Gesetz.“
Wir in der IT lächelten milde. Wir erklärten ihm geduldig das Konzept der „Lemming-Reserve“: Wir halten absichtlich sieben Lizenzen im Überhang, um sofort reagieren zu können, wenn mal wieder ein Schwung neuer Mitarbeiter („die Lemminge“) über die Klippe in unser Unternehmen springt. Aber 450? Das hätte bedeutet, dass 50 Leute bei uns ohne Lizenz arbeiten – ein Szenario, das in meiner Welt schlichtweg nicht existiert.
Dann kam der Moment, in dem der „böse Admin“ (ich) die Sache selbst in die Hand nahm. Ich besorgte mir die aktuelle Liste direkt aus der Personalabteilung. Anstatt wochenlang „akademisch“ darüber zu meditieren, machte ich den Abgleich. Dauer: Unter einer Stunde.
Das Ergebnis war ein Schlag in die Magengrube des Controlling-Egos: Die 450 Lizenzen waren ein reines Hirngespinst. Tatsächlich waren wir so nah an der Realität, dass es fast schon unheimlich war. Und ja, Schande über mein Haupt: Ich fand tatsächlich eine Abweichung von zwei Lizenzen. Zwei!
Der Grund war kein mathematisches Unvermögen, sondern ein profaner Fehler bei der Datenübergabe von der Personalabteilung an die IT. Ein klassischer Übertragungsfehler im System.
Während der Controller also noch seinen Bachelor feierte und sich in der Gewissheit sonnte, 50 Lizenzen „gespart“ zu haben, hatte die Realität ihn längst rechts überholt. Er hatte nicht nur die zwei fehlenden Lizenzen übersehen, sondern die restlichen 48 einfach wegrationalisiert, weil er offensichtlich zwei Tabellen nicht unfallfrei nebeneinanderlegen konnte.
Fazit: Ein akademischer Grad ist kein Ersatz für ein funktionierendes SVERWEIS-Kommando in Excel. Wer behauptet, die IT könne nicht zählen, sollte sicherstellen, dass er selbst über die Zahl Zehn hinauskommt, ohne die Schuhe auszuziehen.
In diesem Sinne: Ich kopiere vielleicht nicht für dich, aber ich rechne wenigstens richtig.