Der akademische Kopier-Exorzismus (oder: Die Würde des Bachelors)

In der IT-Welt messen wir Kompetenz in Uptime, Bandbreite und der Fähigkeit, Probleme zu lösen, bevor der Anwender merkt, dass er eins hat. In der Welt der Betriebswirtschaft – speziell in der Unterabteilung „Controlling“ – scheint die Maßeinheit jedoch eine andere zu sein: Die vermeintliche Höhe des akademischen Rosses, auf dem man sitzt.

Ein besonders glanzvolles Exemplar dieser Gattung stolzierte neulich durch eine unserer Einrichtungen. Frisch diplomiert (naja, Bachelor), bewaffnet mit einer Excel-Tabelle und einem Ego, das kaum durch die Brandschutztüren passte. Man sollte meinen, dass jemand, dessen Hauptaufgabe das Optimieren von Prozessen ist, ein gewisses Interesse an der Funktionsweise von Bürogeräten hat. Doch weit gefehlt.

Als die Situation eintrat, in der ein simples Dokument vervielfältigt werden musste – eine Aufgabe, die selbst von einer durchschnittlich begabten Amöbe nach kurzer Einweisung bewältigt werden könnte – fiel der Satz, der das gesamte Team in kollektive Schockstarre versetzte:

„Ich bin Akademiker. Ich kopiere nicht.“

Ich saß gerade an einem Switch in der Nähe und musste mich kurz am Serverschrank festhalten, um nicht vor Lachen in die USV zu kippen. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da hat jemand drei Jahre lang Grundlagen der Betriebswirtschaft studiert, um nun festzustellen, dass das Betätigen der grünen „Start“-Taste am Multifunktionsdrucker eine unzumutbare Herabwürdigung seiner akademischen Weihen darstellt.

Offensichtlich lernt man im Bachelor-Studium zwar, wie man Kostenstellen farblich markiert, aber nicht, dass die physikalische Welt auch vor Titelträgern nicht halt macht. In der Welt unseres „Zahlen-Dompteurs“ scheint die Urkunde an der Wand eine Art magisches Schutzschild gegen profane Büroarbeiten zu sein.

Ich frage mich seither: Ab welchem akademischen Grad ist man eigentlich davon befreit, sich selbst den Kaffee zu holen? Braucht man für das Heften von Akten einen Master? Und ist eine Promotion zwingend erforderlich, um den Toner zu wechseln?

Fazit: Der Bachelor schützt vor Torheit nicht – und schon gar nicht vor der Technik. Wenn man glaubt, dass man zu „studiert“ für den Kopierer ist, hat man vermutlich das wichtigste Modul im Studium verpasst: Praxistauglichkeit 1.0.

In diesem Sinne: Ich habe zwar keinen Bachelor in „Papierstau-Management“, aber ich bediene den Drucker trotzdem. Vielleicht, weil ich als Admin weiß, dass der Maschine dein Titel völlig egal ist – sie frisst dein Papier so oder so.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.