ERP-Voodoo und die Geister der toten Festplatten

Wir erinnern uns an die „Architektin der bürokratischen Ordnung“ – die Frau, die während der Pandemie Masken nach einem strengen Nagel-System ausdünsten ließ. Wie sich herausstellt, ist ihr Talent für komplexe Strukturen nicht auf Textilien beschränkt. In ihrer Zweitrolle als „Hohepriesterin des Qualitätsmanagements (QM)“ lud sie zur Sitzung, um über das heilige Sakrament des Datenschutzes zu sprechen.

Das Thema: Die Vernichtung von Festplatten. Nachdem wir jahrelang Datenmüll angesammelt hatten, sollte nun alles DSGVO-konform in den Schredder wandern. Und natürlich muss im QM-Land jedes Staubkorn dokumentiert werden. Wir in der IT, pragmatisch wie wir sind, schlugen vor: „Wir haben zwar keine spezialisierte ‚Exitus-Software‘ für Hardware, aber wir können eine wunderbare Excel-Tabelle führen. Seriennummer rein, Datum der Vernichtung daneben, fertig.“

Eigentlich ein sauberer Prozess. Aber nicht für unsere QM-Meisterin.

Sie starrte uns an, als hätten wir gerade vorgeschlagen, die Dokumentation mit Kreide auf den Asphalt vor dem Büro zu malen. Ihre Vision war größer, glanzvoller, bürokratischer. Mit der Autorität einer Frau, die weiß, dass alles irgendwo „hinterlegt“ sein muss, schleuderte sie uns ihr ultimatives Argument entgegen:

„Ich verstehe das nicht! Wir haben doch eine Warenwirtschaft. Da muss man so was doch eintragen können!“

In diesem Moment blieb die Zeit kurz stehen. Ich sah vor meinem geistigen Auge, wie wir versuchen, eine geschredderte, in tausend Teile zerlegte Festplatte als „Lagerbestand“ zu führen. Eine Warenwirtschaft ist – wie der Name für Menschen mit logischem Verstand vermuten lässt – für Waren da. Für Dinge, die man kauft, verkauft oder im Regal liegen hat.

Ein ERP-System ist kein digitaler Friedhof für Hardware-Asche.

Ich versuchte vorsichtig zu erklären, dass das System dafür da ist, Dinge zu verwalten, die noch existieren. Aber Logik ist gegen den Willen einer QM-Meisterin machtlos. Sie wollte es nicht verstehen. Sie wollte eine Schaltfläche in der Warenwirtschaft, die vermutlich „In den Orkus werfen“ heißt.

Das Ergebnis? Ein wütender Blick, ein verbales „Peng“ und eine beleidigte Stille, die so dick war, dass man sie in der Warenwirtschaft hätte inventarisieren können.

Fazit: Nur weil eine Software ein Feld für „Bemerkungen“ hat, bedeutet das nicht, dass man dort das gesamte Ableben der IT-Infrastruktur protokollieren sollte. Aber hey, im QM zählt nicht die Lösung, sondern das Gefühl, dass es irgendwo in einem System steht, das dafür absolut nicht gebaut wurde.

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