In der IT gibt es einen speziellen Typ Mensch, der gefährlicher ist als jeder Verschlüsselungstrojaner: Der Controller mit „IT-Affinität durch Verwandtschaft“.
Vor der Pandemie glich unsere Infrastruktur einem digitalen Flickenteppich. Wir waren dezentral aufgebaut, jeder Standort kochte sein eigenes Süppchen, und der Datenaustausch erfolgte wahlweise per E-Mail oder – gefühlt – per Brieftaube. Dann kam Corona, und plötzlich musste alles schnell gehen. Für uns in der IT war es die Chance: Endlich konnten wir das jahrelang geplante, voll virtualisierte Rechenzentrum in die Tat umsetzen. Ein Meilenstein, ein technologischer Quantensprung.
Doch dann betrat die Bühne: Der Diplom-Betriebswirt. Kaufmann alter Schule, Herr der Zahlen und – was viel schlimmer war – stolzer Vater eines Sohnes, der „erfolgreich in der IT-Branche“ arbeitet. Diese Kombination verlieh ihm in seinen eigenen Augen die Kompetenz eines Silicon-Valley-Gurus.
Seine „ultimative Lösung“ für unser 500-Mitarbeiter-Problem? Ein Geniestreich der betriebswirtschaftlichen Sparsamkeit.
Sein Plan: Warum teure Cluster und Virtualisierung, wenn man auch einen (1) Server aufstellen kann? Seine technischen Spezifikationen waren so präzise wie größenwahnsinnig: Man nehme etwa 1 TB Arbeitsspeicher und 2 TB Festplatte und lasse darauf einfach alle 500 Mitarbeiter gleichzeitig per Terminal-Lösung arbeiten.
In seiner Excel-Welt war das eine hocheffiziente Ein-Box-Lösung. In der Realität der Informatik wäre dieses System beim ersten Montagmorgen-Login schneller implodiert als ein schlechtes Soufflé. Es war der Versuch, den gesamten Berufsverkehr des Ruhrgebiets durch eine einzige Tiefgarageneinfahrt zu pressen – und dabei zu erwarten, dass alle mit 120 km/h durchrauschen.
Zum Glück siegte am Ende der gesunde Menschenverstand (und die IT-Abteilung). Wir ignorierten die „Expertise“ des passiven IT-Vaters und setzten unsere professionelle Virtualisierung durch.
Fazit: Nur weil dein Sohn in der IT arbeitet und du eine Bilanz lesen kannst, bist du noch lange kein Systemarchitekt. Ein Rechenzentrum plant man mit Sachverstand, nicht mit BWL-Voodoo und dem Prinzip Hoffnung. Das Ergebnis? Es läuft. Stabil. Ohne den „Einen Server“.