Das „Huhu“-Phänomen (oder: Die Digitalisierung des Aktenrückens)

Manchmal sitze ich vor meinem Monitor, schaue auf die Auslastungsdiagramme unserer Server-Cluster und fühle mich wie der Kommandant eines Raumschiffs. Und dann erreicht mich ein Ticket, das mich mit einem sanften, aber gewaltigen Schlag zurück in die Realität der deutschen Bürokratie befördert.

Die Anfrage lautet originalgetreu:

„Huhu können wir hier irgendwie vernünftig Ordnerrücken beschriften/drucken? VG“

„Huhu“ – Das Geräusch der analogen Verzweiflung

Es beginnt mit einem „Huhu“. In der Welt der IT-Tickets ist „Huhu“ oft das akustische Warnsignal für eine Anfrage, die absolut nichts mit Informationstechnik zu tun hat, aber trotzdem auf meinem Schreibtisch landet, weil es „irgendwas mit einem Drucker“ zu tun haben könnte.

Wir reden hier über die Digitalisierung. Wir haben über papierlose Büros debattiert, über Cloud-Speicher und über die Abschaffung der Briefpost gestritten (wir erinnern uns an das 16:50-Uhr-Drama). Und womit beschäftigen wir uns im Kern der IT-Infrastruktur? Mit der ästhetischen Gestaltung von Papprücken für Leitz-Ordner.

Das Paradoxon des IT-Meisters

Es ist faszinierend: Wir haben genug Rechenpower, um die Flugbahn eines Asteroiden zu berechnen, aber die Frage, wie man Text gerade auf einen schmalen Streifen Karton bekommt, scheint die letzte große ungelöste Herausforderung der Menschheit zu sein.

Ich sehe es förmlich vor mir: Irgendwo in einer Einrichtung steht ein Mitarbeiter vor einem Berg aus Papier – wahrscheinlich Dokumente, die die „Göttin der lückenlosen Überwachung“ noch nicht abgezeichnet hat – und die größte Sorge ist nicht etwa der Datenfluss, sondern ob die Beschriftung „vernünftig“ aussieht. „Vernünftig“ ist in diesem Zusammenhang ein dehnbarer Begriff, der meistens bedeutet: „IT Meister, bau mir eine Excel-Vorlage, die ich nie verstehen werde, oder kauf mir ein Beschriftungsgerät, das mehr kostet als eine Fritz!Box.“

Fazit: Zurück in die Zukunft

Während wir uns Gedanken über KI-Chatbots und die Abwehr von Hackerangriffen machen, kämpft die Basis mit der Zentrierung von Schriftarten auf 3,5 cm breitem Papier. Es zeigt uns: Die Digitalisierung kann noch so weit fortgeschritten sein – am Ende des Tages braucht der Deutsche einen ordentlich beschrifteten Rücken, an dem er sich in der analogen Welt festhalten kann.

Meine Antwort im Geiste: Ich könnte dir eine Datenbank-gestützte, vollautomatisierte Etiketten-Lösung programmieren. Aber wahrscheinlich willst du nur ein Word-Dokument, in dem die Tabellenrahmen nicht verrutschen.

In diesem Sinne: VG zurück. Ich schau dann mal, ob es für „vernünftig“ ein Plugin in der Warenwirtschaft gibt – die QM-Meisterin würde es lieben!

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