Der Herr der Frequenzen (oder: Warum Google keinen Schranken-Schlüssel ersetzt)

In der Welt der Einrichtungsleitung gibt es zwei Arten von Problemen: Solche, die man delegiert, und solche, die man zur Chefsache erklärt, um mal so richtig zu zeigen, wer hier die Hosen (und den Internetbrowser) anhat. Kürzlich traf es unsere Einfahrtsschranke. Das gute Stück war defekt – ein mechanischer Totalausfall.

Normalerweise ein Fall für Techniker und eine koordinierte Bestellung von Ersatzteilen. Doch nicht bei uns. Unser „Allwissender Einrichtungsleiter“ übernahm das Ruder. Mit der Entschlossenheit eines Mannes, der weiß, wie man eine Suchmaschine bedient, wurde er zum selbsternannten Projektleiter für Absperrtechnik.

Die Verschwörung der überflüssigen Sender

Während der Chef also im Alleingang die Hardware orderte, versuchten die Verwaltung und ich vorausschauend zu agieren. Wir dachten uns: „Wenn wir schon eine neue Schranke bekommen, brauchen wir auch zusätzliche Funksender für die Mitarbeiter.“ Gesagt, getan. Die Bestellung für die Drücker war raus.

Doch wir hatten die Rechnung ohne die investigative Recherchekompetenz der Leitung gemacht.

Mit der triumphierenden Miene eines Mannes, der gerade eine weltweite Verschwörung der Elektroindustrie aufgedeckt hat, stornierte der Einrichtungsleiter unsere Bestellung kurzerhand. Seine Begründung? Ein Meilenstein der modernen Voodoo-Logik:

„Ich habe das bei Google gelesen! Diese Sender funken doch alle auf der gleichen Frequenz. Da brauchen wir keine zusätzlichen Schlüssel. Das ist alles eins!“

Frequenz vs. Verstand

Man muss sich diesen Moment der Erleuchtung bildlich vorstellen. In der Welt unseres Hobby-Ingenieurs ist eine Funkfrequenz so etwas wie eine magische Aura. Wenn die Schranke auf 433 MHz funkt und der Sender auch, dann – so seine Theorie – finden die beiden schon irgendwie zueinander. Dass es so etwas wie VerschlüsselungRolling Codes oder schlichtweg eine individuelle Kennung gibt, damit nicht jeder Teenager mit einem Garagentoröffner aus dem Baumarkt unsere Schranke ballettartig tanzen lassen kann, war in seinem Google-Suchergebnis wohl auf Seite 2 gelandet. Und wie wir wissen: Seite 2 existiert für Chefs nicht.

In seinem Kopf ist Funk wohl wie Radio: Wenn alle auf Antenne Bayern eingestellt sind, hören auch alle die gleiche Musik. Dass unsere Schranke aber nicht „Musik hören“, sondern einen ganz spezifischen, digitalen Personalausweis sehen will, bevor sie den Weg freigibt, war eine Abstraktionsebene zu viel.

Das Ergebnis: Exklusivität durch Unwissenheit

Das Ende vom Lied? Wir haben jetzt eine schicke, neue Schranke. Und wir haben genau die Handsender, die im Lieferumfang dabei waren – also vermutlich zwei. Der Rest der Belegschaft steht davor und starrt das geschlossene Metall an, während sie darauf warten, dass die „gleiche Frequenz“ der kollektiven Telepathie das Tor öffnet.

Fazit: Nur weil man weiß, wie man „Funk“ buchstabiert und ein Google-Snippet gelesen hat, ist man noch lange kein Hochfrequenztechniker. Aber hey, wir sparen Geld! Dass die Mitarbeiter jetzt wertvolle Arbeitszeit damit verbringen, vor der Schranke zu hupen, taucht zum Glück in keinem Controlling-Bericht auf.

In diesem Sinne: Ich sende diesen Text jetzt auch einfach mal „auf der gleichen Frequenz“ ab. Irgendwo wird er schon ankommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.