Man erinnert sich: Die Energiekrise schlug ein, die Preise explodierten und in der Chef-Etage herrschte nackte Panik. Das Controlling – unsere Experten für Excel-Tabellen und akademische Kopier-Abstinenz – stand vor einem Problem: Sie konnten die Energiepreise nicht senken. Und wenn ein BWLer eine Zahl nicht kontrollieren kann, sucht er sich ein technisches Opfer.
Die „brillante“ Lösung war schnell gefunden. Warum teure, professionelle Gebäudeleittechnik installieren, wenn es doch im Elektromarkt um die Ecke diese schicken, rot-weißen Schachteln gibt?
Der Plan: Wir rüsten einfach alle Einrichtungen mit AVM Smart Home aus.
Der Traum vom smarten Sparfuchs
In der Theorie des Controllers klang das wie ein Kinderspiel: Man schraubt ein paar smarte Thermostate an die Heizungen, verbindet sie mit der Fritz!Box und – zack – die Heizkosten sinken ins Bodenlose. Dass wir hier von Einrichtungen sprechen, die etwas größer sind als eine Dreizimmerwohnung, wurde als „vernachlässigbares Detail“ abgetan.
Die IT wurde natürlich sofort zum Hauptverantwortlichen für die „thermische Weltrettung“ ernannt. Dass wir eigentlich Netzwerke stabil halten und Server administrieren sollten, war zweitrangig. Ab sofort waren wir die „Heizkörper-Flüsterer“.
Die schmerzhafte Begegnung mit der Realität
Es dauerte nicht lange, bis die physikalischen und softwareseitigen Grenzen von Consumer-Hardware frontal mit der Realität kollidierten:
- Das Administrations-Nirvana: Wer glaubt, man könne 50 Fritz!Boxen und hunderte Thermostate zentral über ein schickes Dashboard verwalten, hat die Rechnung ohne AVM gemacht. Jede Einrichtung ist eine Insel. Willst du die Temperatur in Haus A ändern, musst du dich mühsam einzeln einloggen – während du in Haus B schon wieder vergessen hast, ob die Heizung nun auf „Sparbetrieb“ oder „Sauna“ steht.
- Die Geräte-Sperre: Eine Fritz!Box ist ein tolles Gerät, aber sie hat ein Ego. Nach einer gewissen Anzahl an Smart-Home-Geräten sagt sie schlichtweg: „Nö. Ich bin voll.“ Für ein Bürogebäude mit 30 Räumen? Ein logistischer Totalschaden.
- Der IT-Hausmeister: Plötzlich bestand mein Job daraus, Batterien zu wechseln und Funkverbindungen durch dicke Klinikwände zu jagen, die für DECT-Signale so durchlässig sind wie ein Tresor von Fort Knox.
Fazit: BWL schlägt Verstand
Aber egal! Hauptsache, im Controlling-Bericht stand, dass wir jetzt „Smart“ sind. Dass wir mehr Arbeitszeit in die manuelle Pflege einer ungeeigneten Bastellösung investiert haben, als wir jemals an Gaskosten einsparen könnten, taucht in keiner Bilanz auf.
Die Moral von der Geschicht: Nur weil man mit einer App zu Hause seine Stehlampe dimmen kann, ist man noch lange kein Energie-Manager für einen Konzern. Aber hey, wenn die Heizung mal wieder nicht geht, rufen sie wenigstens nicht die Hotline an – sie rufen mich an. Und ich? Ich schalte den Rechner um 16:50 Uhr ein und schaue mal nach, was die E-Mails vom 13. Februar so sagen.