In einer Klinik hat man es oft mit Kapazitäten zu tun, deren medizinisches Wissen ganze Bibliotheken füllt. Doch wenn die Grenze zwischen Biologie und Silizium überschritten wird, stoßen selbst die brillantesten Köpfe an ihre Grenzen. Wir haben einen Arzt – nennen wir ihn „Dr. Methusalem“ – der bereits praktizierte, als man Computer noch mit Lochkarten fütterte. Ich habe tiefsten Respekt vor seinem Alter und seiner Erfahrung, aber technisch gesehen leben wir in verschiedenen Paralleluniversen.
Als seine Maus das zeitliche segnete, wollte ich als vorbildlicher Supporter natürlich glänzen. Keine Reparaturversuche, keine halben Sachen – ich bestellte per Express bei einem großen Versandriesen direkt neues Equipment. Die Lieferung schlug wenig später in der Klinik auf. Ein Kinderspiel, sollte man meinen: Auspacken, anschließen, loslegen.
Doch die moderne Technik hatte eine Falle eingebaut, mit der Dr. Methusalem nicht gerechnet hatte: Das Konzept der „Kabellosigkeit“.
Anstatt den Rechner mit der neuen Hardware bekannt zu machen, passierte erst einmal gar nichts. In der Welt unseres ehrwürdigen Mediziners war das Urteil schnell gefällt: „Das Gerät ist defekt.“ Mit der vermeintlich kaputten Maus unter dem Arm marschierte er schnurstracks zu einem von mir sehr geschätzten Menschen in der Verwaltung – einer Frau, die schon so ziemlich jeden IT-Irrsinn miterlebt hat und für ihre Geduld heiliggesprochen werden müsste.
Dort legte er das Corpus Delicti auf den Tisch und beklagte den Totalausfall der Technik. Sie, die mittlerweile einen siebten Sinn für solche Situationen entwickelt hat, traute ihren Augen kaum. Sie nahm die Maus in die Hand, drehte sie mit einem geübten Griff um und öffnete das kleine Fach an der Unterseite.
Dort, tief im Inneren des Gehäuses, schlummerte er: Der USB-Dongle. Das kleine Stück Plastik, das den PC erst wissen lässt, dass er jetzt ferngesteuert wird. Dr. Methusalem hatte die Maus zwar ausgepackt, aber das Konzept, dass ein Teil der Maus in die Maus gehört, um dann aus der Maus in den PC zu wandern, war wohl eine Abstraktionsebene zu viel.
Die Kollegin zeigte ihm den Dongle mit dem sanften Lächeln einer Person, die gerade ein Wunder vollbracht hat. „Schauen Sie, Herr Doktor, hier steckt das Geheimnis.“
Fazit: Wir schicken Sonden zum Mars und operieren mit Lasern, aber der größte Endgegner der modernen Medizin bleibt ein USB-Stick, der sich in einem Batteriefach versteckt. Drahtlose Freiheit ist eben nur so gut wie derjenige, der den Stecker (oder eben den Dongle) findet.
In diesem Sinne: Immer erst unter die Haube schauen, bevor man den Totenschein für die Hardware ausstellt.