Es werde Licht – aber bitte nicht am Cursor (oder: Die energetische Maus-Heilung)


Manchmal gibt es Momente im Support, in denen man kurz davor ist, die eigene Approbation als Systemadministrator feierlich zu verbrennen. Es war vor ein paar Jahren, als mich der Hilferuf aus einer Klinik erreichte. Am anderen Ende: Eine Krankenschwester, die mit der Gesamtsituation ihrer Peripherie sichtlich überfordert war. Das Problem? Die Maus war tot. Klinisch tot.

Da ich meinen Job ernst nehme, begann ich mit der Standard-Reanimation. Es handelte sich um eine klassische, kabelgebundene Maus. Da unter dem Gehäuse absolut nichts leuchtete, starteten wir eine investigative Reise entlang des Kabels. Ich am Telefon, die Kollegin auf den Knien.

„Folgen Sie dem Kabel“, sagte ich mit der Geduld eines Zen-Meisters. Wir verfolgten den Weg des schwarzen Drahtes über den vollgestellten Schreibtisch, vorbei an Patientenakten und Kaffeetassen. Ich erwartete das übliche Ende: einen herausgerutschten Stecker am PC-Gehäuse oder – im schlimmsten Fall – einen Kabelbruch.

Doch was ich zu diesem Zeitpunkt für physikalisch unmöglich hielt, wurde in diesem Moment zur bitteren Realität. Die Kollegin besaß eine moderne Schreibtischlampe. Eine dieser Lampen, die einen USB-Anschluss besitzen, um Smartphones oder andere Kleingeräte zu laden.

Und genau dort war der Point of No Return erreicht. Mit einer bewundernswerten Logik hatte die gute Seele die Maus nicht etwa im Computer versenkt, sondern direkt in der Lampe.

In ihrer Welt war USB wohl einfach USB. Dass die Lampe zwar Licht spendet, aber leider nicht über ein Betriebssystem verfügt, das Zeigerbewegungen interpretiert, war ein Detail, das in der Hitze des Klinikalltags schlichtweg unterging. Die Maus war zwar nun technisch gesehen „bestens mit Strom versorgt“ und vielleicht die am hellsten beleuchtete Maus im ganzen Gebäude, aber auf dem Monitor rührte sich – wenig überraschend – absolut nichts.

Ich saß fassungslos vor meinem Telefon und überlegte kurz, ob ich erklären sollte, dass eine Lampe kein Mainboard ist. Ich entschied mich für die diplomatische Variante und bat sie, das „Energiesparmodell“ doch bitte wieder mit dem grauen Kasten unter dem Tisch zu verbinden.

Fazit: Wenn die Technik streikt, hilft manchmal kein Neustart, sondern nur ein Exorzismus an der Schreibtischbeleuchtung. Wir leben im 21. Jahrhundert: Wir laden unsere Handys an der Lampe, unsere Autos an der Steckdose und versuchen scheinbar, unsere Computer per Lichtwellen-Induktion über die Maus zu steuern.

In diesem Sinne: Immer schön hell bleiben, aber den Stecker bitte in den PC.


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